Wenn wir in die Zukunft blicken, meinen wir meist, nach vorne zu schauen. Doch das versteht man längst nicht überall so. Im Chinesischen etwa steht das Zeichen für «vorne» für die Vergangenheit und jenes für «hinten» für die Zukunft. Man könnte also auch sagen, wir stehen mit dem Rücken zur Zukunft. Hinter uns das Unbekannte – das, was noch kommt. Und im Blick haben wir die Geschichte – das, was uns hierhergebracht hat.
2025 konnte Kraftwerk1 auf drei bewegte Jahrzehnte seiner Geschichte blicken. In diesem Jahresbericht nehmen wir uns einen Moment, um ein wenig stolz zu sein auf das, was wir bisher erreicht haben. Vor dreissig Jahren haben sich ein paar Wagemutige – manche sagen Verrückte – ein scheinbar unmögliches Wohnprojekt ausgedacht. Doch die Siedlung Hardturm wurde Realität. Wie nahe das gebaute und gelebte Projekt an den Utopien dran ist, die man sich einst ausmalte, haben wir mit Menschen besprochen, die damals und inzwischen für Kraftwerk1 engagiert waren und sind.
Sicher ist: Dreissig Jahre nach der Gründung haben sich die Grenzen des Machbaren in der Zürcher Bau- und Wohnlandschaft verschoben. Und das nicht zuletzt dank Kraftwerk1. Unsere Genossenschaft war Pionierin nicht nur darin, wo gewohnt wird, sondern vor allem wie. Clusterwohnungen, heute in aller Munde, wurden als «Suiten» im Hardturm erstmals erprobt. Ein dichtes Zusammen von Leben und Arbeiten auch. Nachhaltigkeit, heute in fast jedem Leitbild verankert, gehört schon seit den Anfängen zu unserer DNS.
Verschoben haben sich nicht nur die Grenzen des Machbaren, sondern auch die der Stadt. Was vor dreissig Jahren der äussere Kreis 5 war, war vor zehn Jahren das ehemalige Industriegebiet zwischen Dübendorf und Wallisellen. Heute leuchtet unsere Siedlung Zwicky Süd als Vorbild in Sachen sozialem und nachhaltigen Bauen in einem immer dichteren urbanen Geflecht. 2025 wurde nicht nur das jährliche Siedlungsfest gefeiert, sondern auch ein Jubiläum, das viele nicht für möglich gehalten haben.
Mit unserer Geschichte im Blick beschreiten wir mit guter Orientierung eine unbekannte Zukunft. 2025 nahm schliesslich die Siedlung im Koch-Quartier immer mehr Form an. Das Holz türmte sich zu Stöcken auf, wiederverwendetes Glas schützt inzwischen die Fassade. Und schon stand im vergangenen Herbst die Vergabe der Rohbaueinheiten an.
Pioniertaten, wo man hinblickt. Keine wäre möglich ohne dreissig Jahre Wohnbaukampf und Genossenschaftserfahrung. Unsere Geschichte gibt uns die Kraft und den Mut, den wir brauchen, um in die Zukunft aufzubrechen. In diesem Sinne schauen wir zurück, um nach vorne zu blicken. Wir wünschen eine gute Lektüre.
Herzlich
Vorstand und Geschäftsstelle Kraftwerk1