Zwei Genossenschaften, derselbe städtische Auftrag: Der Abend stellte sehr unterschiedliche Herangehensweisen an Kunst-und-Bau Projekte im Wohnungsbau gegenüber. Während die Kalkbreite auf ein 24-jähriges, fast unsichtbares Konzept setzt, das Geld als Kapitalstock anlegt, und die Erträge im Tresor aufbewahrt, wählt Kraftwerk1 den Weg eines bunten, vielteiligen, partizipativen und vergänglichen Begleitprogramms für die Einzugsphase in die neue Siedlung. Beide Ansätze verzichten auf das feste Objekt zugunsten offener Prozesse, deren Wert sich erst in der Zukunft beweisen muss. Es berichtet Sabeth Tödtli:
Was ist das «Kunst Koch Werk» und warum beschäftigt sich Kraftwerk1 überhaupt mit Kunst und Bau? Mehr dazu hier.
Notizen zu zwei genossenschaftlichen Kunst-und-Bau Projekten
Datum: 24. September 2026
Ort: Caféteria Kalkbreite, Badenerstrasse 173, Zürich
Es sprechen: Julia Weber, Martin Furler, Christoph Faulhaber, Sabeth Tödtli und Gäste.
Status: Vorläufige Aufzeichnung eines laufenden Experiments
Protokollant:in: Sabeth Tödtli (und Euria)
(Künstlerische) Dokumentation:
Das «Kunst Koch Werk» wird laufend dokumentiert. Für diesen Anlass hat Sabeth Tödtli sich Notizen gemacht.
Teil I: Das Langzeit-Experiment (Kalkbreite)
Laufzeit: 24 Jahre (Start 2010)
Modus: Konzeptuell, immateriell, vertraglich gebunden
Auftraggeber:in: Genossenschaft Kalkbreite
Jährlich besucht der Hamburger Künstler Christoph Faulhaber die Liegenschaft Kalkbreite in Zürich. 2010 gewann er den internationalen Kunst-und-Bau-Wettbewerb der Genossenschaft Kalkbreite mit einem unkonventionellen Konzept: Das gesamte Preisgeld in der Höhe von 240’000 Franken sollte für 24 Jahre angelegt werden. Der jährliche Zinsertrag steht ihm seither für sein Schaffen zur Verfügung. Als Gegenleistung stellt er der Genossenschaft ein Zwölftel seines jährlichen Schaffens zur Verfügung. Nach Ablauf der 24 Jahre fällt das Kapital zurück an die Genossenschaft für ein neues Kunstprojekt.
Beobachtungen zum Prozess:
Fragen, die diskutiert wurden, und Fragen, die offen bleiben:
Teil II: Das Begleit-Programm (Kraftwerk1)
Laufzeit: Mehrjährig, in 3 Phasen unterteilt
Modus: Partizipativ, ephemer, sozial, niederschwellig
Auftraggeber:in: Bau- und Wohngenossenscahft Kraftwerk1
Gegenwärtig ziehen im Zürcher Koch-Quartier bald die ersten Bewohner:innen in den Neubau der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1. Begleitet wird der Einzug, das Ankommen im Quartier und das Zusammenkommen einer neuen Nachbar:innenschaft von vier temporären Kunstprojekten. Sie sind das Resultat einer öffentlichen Ausschreibung und bilden zusammen die zweite Phase des Kunst-und-Bau Programms «Kunst Koch Werk».
Beobachtungen zum Prozess:
Fragen, die diskutiert wurden, und Fragen, die offen bleiben:
Teil III: Die Rahmenbedingungen (Stadt & System)
Wenn die Stadt Zürich neu baut oder umbaut, investiert sie stets einen Teil des Baubudgets in ein Kunst-und-Bau Projekt. Diese Vorgabe macht sie auch Bauträger:innen, die (im Baurecht) auf städtischem Land bauen. Dies ist bei beiden Projekten der Fall: bei der Kalkbreite von der Genossenschaft Kalkbreite als auch bei der Siedlung Koch von Kraftwerk1.
Systematische Beobachtungen:
Fragen, die diskutiert wurden, und Fragen, die offen bleiben:
Zwei Modelle. Das eine setzt auf Zeit und Vertrag (Kalkbreite): Kunst als langfristige Verpflichtung, unsichtbar, konzeptuell, riskant. Das andere setzt auf Moment und Teilhabe (Kraftwerk1): Kunst als begleitendes Ereignis, sichtbar, sozial, offen. Beide Modelle brechen mit der Idee des „Objekts“. Beide Modelle verlassen sich darauf, dass etwas entsteht, das man nicht anfassen kann. Beide Modelle wissen nicht genau, wie es ausgeht.
Wie wird man auf die Projekte zurückblicken? Als Extravaganz, als lohnendes Experiment, als künstlerscher Wert oder als Investition in die Gemeinschaft?
Mehr Informationen:
Weitere Informationen finden sich in der Einladung zu diesem Anlass.
Was es mit dem «Kunst Koch Werk» auf sich hat und warum sich Kraftwerk1 bei der Siedlung Koch überhaupt mit Kunst beschäftigt, erklären wir auf der Projekt-Seite. Dort finden sich auch die Einladungen und Dokumentationen aller bisherigen Anlässe.