Die Siedlung Hardturm ist die erste Kraftwerk1-Siedlung und wurde 2001 bezogen. Sie befindet sich in Zürich West.
Sie setzte 2001 neue Massstäbe für den Wohnungsbau in der Schweiz und half, die Genossenschaftsbewegung in Zürich wiederzubeleben: Sie war einer der ersten Minergiebauten der Schweiz und bot erstmals Grosswohnungen in diesem Stil.
Die Siedlung steht bis heute für die Werte von Kraftwerk1: gemeinschaftsfördernde Architektur, Selbstorganisation, Kombination von Wohnen und Arbeiten, neue Wohnformen, geteilte Infrastruktur und nachhaltiges Bauen sowie Mitbestimmung der Bewohner:innen.
In der Siedlung Hardturm leben rund 250 Personen in 81 Wohnungen.
Als Zürich-West noch Industriebrache statt Trendquartier war, legte Kraftwerk1 los. Ohne Kapital, aber mit viel Vision: gemeinschaftlich wohnen, ökologisch bauen, Stadt neu denken. Entstanden ist ein Siedlungsprojekt, das sich Raum nahm – politisch, sozial, architektonisch. Und es verändert sich weiter – mit den Menschen, die darin wohnen.
Eine der wichtigsten Neuheiten waren die Grosswohnungen, die sogenannten «Suiten»: Bis zu 13 Zimmern zählen die grossen Wohngemeinschaften.
Es gibt aber auch Kleinwohnungen oder Familienwohnungen. Der vielfältige Wohnungsmix, der auf engem Raum viele Bedürfnisse abdeckt, war ein klares Zeichen gegen Einheitsbauweise und die Grundlage für eine diverse Bewohner:innenschaft.
Um die grosse Gebäudetiefe gut zu nutzen, wurden zwei Wohnungstypen kombiniert:
Loos-Typ: Mit überhohen Wohnräumen auf der einen Hausseite, verbunden durch kurze interne Treppen mit den Zimmergeschossen auf der anderen Seite
Le-Corbusier-Typ: mit einer «rue intérieure» auf jedem dritten Geschoss, von der aus Wohnungen erschlossen werden.
So entstanden gestapelte Maisonetten und Kleinwohnungen, die trotz Verdichtung Offenheit und Licht bieten.
Beim Bau vor 20 Jahren war das Budget knapp und die konkreten Nutzungen noch unbekannt, man ging Kompromisse ein, auch wegen des bestehenden Gestaltungsplans. Der Aussenraum blieb roh und für die Gemeinschaftsflächen wurden nur das Nötigste umgesetzt. Dafür blieb jedoch Raum für spätere Ideen der Hausgemeinschaft. Dieses «Nichtfertigbauen» hat sich zu einer Haltung von Kraftwerk1 entwickelt: Auch heute überlassen wir die gemeinschaftlich genutzten Flächen den künftigen Bewohnenden zur Aneignung. Denn auch mit der mittlerweile grösseren Erfahrung wollen und können wir das Verhalten der künftigen Mietenden nicht voraussagen.
Und: Bedürfnisse ändern sich mit der Zeit. In der Siedlung Hardturm wurde vor diesem Hintergrund das Projekt «Ha! Hardturm auffrischen»
umgesetzt. Und der Name ist Programm. Nach rund 20 Jahren hat die Siedlung eine «Auffrischung» erhalten, jedoch keine klassische Renovation, sondern eben: ein Weiterbauen.
Mit den Jahren haben sich die Bedürfnisse der Bewohnenden herauskristallisiert und aus demographiegründen bereits ein erstes Mal verändert und somit auch die Nutzungswünsche für gemeinschaftliche Räume.
2017 wurde ein partizipativer Prozess angestossen. In der Folge wurden Räume getauscht, der Dachraum vergrössert und schallgedämmt, die Pantoffelbar erweitert, Parkplätze reduziert und Veloabstellplätze sowie eine neue Eingangszone realisiert. Die Umsetzung startete 2023 und dauerte rund ein Jahr.
Gerade in der Planung der ersten Siedlung war Mitbestimmung der Mitglieder und späteren Bewohnenden die zentrale Ressource: Sie erarbeiteten das Grundgerüst für die spätere Umsetzung und das Zusammenleben: ökologische Standards, Nutzungsmodelle, gemeinschaftliche Angebote. Dieser partizipative Prozess war aufwändig, brachte aber ein hohes Mass an Identifikation und eine Kultur des Dialogs hervor, was Kraftwerk1 bis heute prägt. Für die späteren Siedlungen konnte aus diesem Erfahrungsschatz geschöpft werden und das Mitwirken in Planungsprozessen wurde zu einem weiteren Selbstverständnis.
Dass eine Wohnbau-Genossenschaft auch Gewerberäume baute, war vor dreissig Jahren ein Novum.
Doch für die Gründer:innen der Kraftwerk1-Idee war klar: Kraftwerk1 baut keine Inseln, sondern trägt zur Quartierentwicklung bei. Insbesondere für den damals periphären Standort wer es wichtig, selbst eine gewisse Infrastruktur für beispielweise Läden zur Verfügung zu stellen. Und: ein wichtiger Grundsatz bei Kraftwerk1 ist auch das Verbinden von Wohnen und Arbeiten, um den Pendelverkehr gering zu halten.
Das orange Gewerbehaus an der Hardturmstrasse 261 bietet rund 1700 m² Bürofläche auf vier Etagen. Im Erdgeschoss gibts ein Restaurant, einen Coiffeur und ein Velogeschäft. Weitere Arbeitsräume sowie ein Kindergarten und Hort befinden sich im Hauptwohngebäude.
Bauliches
- Das Thema Ökologie war um die Jahrtausendwende, als die Siedlung gebaut wurde, noch nicht selbstverständlich und Kraftwerk1 ging mutig als Pionierin voran, und baute mit dem Klinkerbau eines der ersten grossen Minergie-Projekte der Schweiz.
Technik
- Fernwärme versorgt das Haus.
- Die Fotovoltaikanlagen auf den Dächern liefern seit Beginn weg Strom. Als Pilotanlage wurden alle drei in unterschiedlichen Ausführungen erstellt. Ein Teil der Anlagen wurde im 2024 durch effizientere Paneele ersetzt. Aktuelle Daten mit einer Leistung von 56.08kWp sind über diesen Link visualisiert Dashboard PV-Anlage Hardturm.
Mobilität
- Das Mobilitätskonzept hat mit der Auffrischung der Siedlung 2024 eine Anpassung erfahren: Die Anzahl Autoparkplätze wurde auf den Minimalbedarf reduziert. Mit der Neugestaltung der Aussenbereiche wurden nun genügend sowie qualitativ hochwertige neue Veloabstellplätze für die Siedlung errichtet.
- Die Siedlung verfügt über E-Auto-Ladestationen.
Flächenverbrauch
- Der Flächenverbrauch pro Person beträgt 35 m2.
Aussenräume
- Die Siedlung wurde 2024 aufgefrischt: Im neugestalteten Aussenbereich spriesst heute das Grün, wo früher versiegelt war und Autos parkiert waren.
Auf dem Dach gibts Hochbeete aus Re-Use-Bodenplatten, wo biodiverse Pflanzen wachsen und Wildbienen sich wohlfühlen.
- Ein Teil des Regenwassers bleibt auf dem Dach. So müssen die Bewohnenden die Pflanzen seltener bewässern
- Biodviersität ist ein wichtiges Stichwort: Nebst Pflanzenwahl setzt der Gärtner diverse Massnahmen um, wie zum Beispiel, dass sämtliches Grüngut und Totholz auf dem Areal bleibt. Auch die Aussenraumgruppe arbeitet aktiv an einer biodiversen Umgebung
Wohnungsspiegel
| Wohnungstyp | Fläche | Anzahl |
|---|---|---|
| 1-Zimmer-Atelierwohnungen | 70 - 90 m2 | 7 Stk. |
| 2.5-Zimmerwohnungen | 49 - 75 m2 | 6 Stk. |
| 3.5-Zimmerwohnungen | 74 - 96 m2 | 16 Stk. |
| 4.5-Zimmerwohnungen | 92 - 103 m2 | 20 Stk. |
| 5.5-Zimmerwohnungen | 125 - 144 m2 | 15 Stk. |
| 6.5-Zimmerwohnungen | 122 - 141 m2 | 9 Stk. |
| 7.5-Zimmerwohnungen | 130 - 180 m2 | 3 Stk. |
| 8.5-Zi Wohngemeinschaft | 239 m2 | 1 Stk. |
| 9.5-Zi Wohngemeinschaft | 249 m2 | 1 Stk. |
| 12.5-Zi Wohngemeinschaften | 273 m2 | 2 Stk. |
| 13.5-Zi Wohngemeinschaft | 273 m2 | 1 Stk. |
| Wohungen Total | 81 Stk. |
Projektbeteiligte
Projektleitung Kraftwerk1
Andreas Hofer, Andreas Wirz, Dominique Marchand
Totalunternehmerin
Allreal AG
Architektur
Stücheli Architekten mit Bünzli Courvoisier (Hochbau)
Ryffel + Ryffel (Landschaft)
Objektdaten
| Adresse | Hardtumrstrasse 261 / 263, 265, 267 / 269 | 8005 Zürich |
|---|---|---|
| Fertigstellung | 2001 | |
| Grundstücksgrösse | 6'700 m2 | |
| Hauptnutzfläche (SIA 416) | 11'866 m2 | |
| Fläche Wohnen | 9'251 m2 | |
| Fläche Gewerbe | 2'440 m2 | |
| Fläche Gemeinschaftsräume | 175 m2 | |
| Beanspruchte Fläche / Person | 35 m2 | |
| Anlagekosten | 45 Mio CHF | |
| Energiestandard | Minergie |
Pläne
Zur Veranschaulichung zeigen wir eine Auswahl von Grundrissen.
Kraftwerk1 Hardturm 0EG mit Gewerbe und Gemeinschaftsräumen
Kraftwerk1 Hardturm 1OG Wohngeschoss
Kraftwerk1 Hardturm 2OG Wohngeschoss
Kraftwerk1 Hardturm 3OG Wohngeschoss
Kraftwerk1 Hardturm 4OG Wohngeschoss
Kraftwerk1 Hardturm 5OG Wohngeschoss
Kraftwerk1 Hardturm 6OG Wohngeschoss
Kraftwerk1 Hardturm 7OG Wohngeschoss
Kraftwerk1 Hardturm 8OG Dachgeschoss
Kraftwerk1 Hardturm Erschliessung
Kraftwerk1 Hardturm Querschnitte
Kraftwerk1 Hardturm Wohnungsschemata