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Siedlung Heizenholz

Die Siedlung Heizenholz ist das zweite Kraftwerk1-Projekt und wurde 2012 bezogen. Sie befindet sich am Zürcher Stadtrand in Höngg. Hier baute Kraftwerk1 im Bestand: Was früher zwei Kinderheime waren, ist heute ein Mehrgenerationenhaus mit einer siebenstöckigen Gemeinschaftsterrasse als Verbindungsbau. Diese «Terrasse commune» und zwei Clusterwohnungen für gediegenes WG-Leben waren damals zwei architektonische Neuheiten.


In der Siedlung Heizenholz leben rund 100 Menschen in 26 Wohnungen.


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Kraftwerk1 konnte an der Regensdorferstrasse 190 und 194 in Zürich Höngg zwei ehemalige Wohnhäuser der Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime kaufen. Die Häuser aus den 1970er-Jahren waren renovierungsbedürftig, eigneten sich aber gut für gemeinschaftliche Grosswohnungen. Schnell war klar, dass die Gebäude erhalten bleiben und ergänzt werden. 

Der Ergänzungsbau ist zwei Stockwerke höher als die bestehenden Häuser und prägt das Bild der Siedlung. Herzstück ist die «Terrasse commune», die den Neubau mit den bestehenden Häusern verbindet. Sie dient als Gemeinschaftsterrasse und Zugang zugleich: von unten bis aufs Dach führen offene Wege und Plätze vorbei an Wohnungen. Grosse Plattformen und kleine Ecken mit Blick über Stadt, Limmattal oder Wald laden zum Spielen, Essen und Verweilen ein.

26 unterschiedliche Wohnungen: Von der Einzimmerwohnung bis zur Grosswohnung mit 330 Quadratmetern Wohnfläche, daneben drei Ateliers und zwei Gemeinschaftsräume. Die als «Suiten» bezeichneten Grosshaushalte aus der Siedlung Hardturm wurden im Heizenholz zu «Clusterwohnungen» weiterentwickelt: Darin sind mehrere private Einheiten um grosszügige Gemeinschaftsflächen mit Küche, Bad und Wohnräumen gruppiert. Die privaten Einheiten haben einen vorgelagerten Raum mit Teeküche sowie Nasszelle. Die gemeinschaftlichen Wohnzimmer und Küchen öffnen sich zur «Terrasse commune», die Schlafzimmer liegen auf der ruhigen Waldseite. 
Clusterwohnungen sind im Grunde eine weiterentwickelte Form einer WG, die auch ältere Menschen, Alleinerziehende oder einfach Menschen mit mehr Bedürfnissen nach Rückzug anspricht.

Dank verschiedener Wohnungstypen leben im Heizenholz Menschen jeden Alters zusammen. Das Mehrgenerationenhaus ist hindernisfrei gebaut, die Wohnungen sind altersgerecht oder leicht anpassbar – ideal für Menschen ab 55 Jahren. Zwei Wohnungen werden mit der Stiftung Domicil an Menschen mit Migrationsgeschichte vermietet.
Im Erdgeschoss bietet ein Gemeinschaftsraum mit Küche Platz für Hausversammlungen, Feste und den Kochclub Circolo.
Im Keller befinden sich ein Konsumdepot und es gibt eine Werkstatt. Die Bewohner:innen organisieren ihr Zusammenleben selbst in verschiedenen Arbeits- und Betriebsgruppen und pflegen die Gemeinschaftsräume und den Garten gemeinsam. Das fördert nachbarschaftliche Kontakte – auch über die Siedlung hinaus: Im Ortoloco-Depot und im Gartenverein sind auch Quartierbewohner:innen willkommen.

Bis zu 50 Genossenschafter:innen brachten sich aktiv in die Planung ein. Zwei von ihnen sassen in der Planungskommission, so konnten wichtige Themen rechtzeitig diskutiert werden. Die Genossenschaft profitierte von vielen guten Inputs, der grossen Identifikation der Mieter:innen mit ihrem Haus und der breiten Abstützung von Entscheiden. Viele lernten ihre künftigen Nachbar:innen kennen und setzten sich mit neuen Wohnformen, dem Wohnungsmix, Gemeinschaftsflächen, Mobilität und Aussenräumen auseinander. Über Farben oder Materialien aber befanden die Planenden.
In der Folge hat Kraftwerk1 die Wohnerfahrungen bei jedem neuen Projekt miteinbeziehen können und das Mitgestalten von Anfang an hat sich zu einem zentralen Wert entwickelt.

2012: Stadt Zürich,  Auszeichnung «Nachhaltig Sanieren»
Urkunden für besonders sozialverträgliche Erneuerungen von Wohnbauten.
 «Die Siedlung zeichnet sich vor allem durch ihren innovativen architektonisch-städtebaulichen Ansatz, die Partizipation der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner und die daraus entstandenen vielfältigen neuen Wohnformen im gesellschaftlichen Bereich aus». (Zitat Zeitschrift Hochparterre) 

2012: Schweizer Genossenschaftspreis, Wohnbaugenossenschaften Schweiz, Preis für herausragende und innovative Genossenschaftsprojekte. 
Die Jury fand am Projekt insbesondere bemerkenswert, dass es nicht nur in architektonischer, sondern auch in sozialer und ökologischer Hinsicht neue Standards setzt und damit zweifellos für künftige Genossenschaftsprojekte wegweisend sein wird. Ausserdem beweise es, dass eine innovative Genossenschaftssiedlung nicht nur mit einem Neubau, sondern in Zeiten knappen Baulands auch mit einer sinnvollen Umnutzung und Erweiterung möglich ist. Jurybericht

Bauliches
- Bei diesem Projekt verfolgte Kraftwerk1 bereits den Ansatz «Weiterbauen statt abreissen». Die Bestandsgebäude blieben erhalten, wurden wo nötig umgebaut, und durch einen Neubauteil ergänzt. Durch den Entscheid gegen einen Abriss, respektive Neubau, wurde viel graue Energie vermieden. 
- Die Siedlung ist Minergie-zertifiziert und nach Minergie-Eco-Standard gebaut. Eco bedeutet, dass die Baumaterialien nachhaltig und ökologisch sind und die Umwelt nur minimal belasten. Die Betonbauteile bestehen beispielsweise aus Recyclingbeton, für die Wärmedämmung wählte Kraftwerk1 Mineralwolle und für die Oberflächen mineralische Farbe ohne Lösungsmittel.

Technik
- Die Wärmeerzeugung erfolgt über Fernwärme der benachbarten ZKJ (Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime). Die Wärme wird über eine Erdsonden-Wärmepumpe erzeugt. 
- Eine Abluftwärmepumpe erwärmt das Wasser und unterstützt die Heizung.
- Als Quellenwärme dient die Wärmerückgewinnung aus der hausinternen Lüftungsanlage.
- Es gibt eine Komfortlüftung mit Nachströmungen über Fassade/Fensterleibung.
- Die Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert allgemeinen Strom. Details zur Leistung sind hier visualisiert: Dashboard

Mobilität
- Ein gutes Mobilitätskonzept ermöglicht, dass keine Tiefgarage nötig ist und es kaum Parkplätze gibt. Dafür stehen ein umfassendes Angebot für umweltschonende Mobilität und eine grosszügige Velogarage mit direkter Zufahrt von der Strasse bereit.

Flächenverbrauch
- Der Flächenverbrauch pro Person beträgt 35 m2.

Aussenräume
- Die Bewohnenden bewirtschaften und pflegen die grosszügigen Aussenflächen mit grossem Engagement und Sorgfalt. Biodiversität ist ihnen dabei besonders wichtig. Nebst sehr bewusster Bepflanzung setzen sie weitere Massnahmen um: Sie mähen die Wiese beispielsweise mit der Sense und haben zahlreiche Strukturen zur Förderung der Artenvielfalt errichtet.
- Eine Regenwasserzisterne speist einen Teil der Aussenflächen mit Giesswasser.

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Blick von der Regensbergstrasse. Links und rechts die beiden Bestandesbauten mit dem Verbindungselement «Terrasse commune».
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Vorplatz als Begegnungsort vor den Hauseingängen und der «Salle commune».
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Die «Terrasse commune» ist die Verbindung der beiden Bestandesbauten und dient als Erschliessung und Begegnungsort.
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Wohnraum einer Clusterwohnung mit Blick auf die gemeinsame Erschliessung und «Terasse commune».
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Hinter dem Haus ist es grün, idyllisch und biodivers. Und der Wald ist nah.
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Der Name ist Programm, die «Salle commune» ist der geteilte Gemeinschaftsraum. Hier finden Hausversammlungen und Feste statt.
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Dem violetten Natternkopf ists wohl in der von Bewohnenden angelegten Kräuterspirale mit Wildbienenhotel.
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Die Bewohnenden pflegen den Aussenraum grösstensteils selbst. Sie schneiden das Gras z.B. mit der Sense.
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Selbstbedientes Einkaufen im Haus: Das Depot commune mit fairtrade Vorräten zum Einkaufspreis.
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Geteilte, selbstorganisierte Werkstatt: vom Hobelbank bis zum 3D-Drucker gibts hier alles.
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Die «Terrasse commune» ist nach Westen ausgerichtet. Abendlicht für die Pflanzen.
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Blick von der «Salle commune» nach Draussen in den Garten mit Sitzplatz.

Projektbeteiligte

Projektleitung Kraftwerk1

Claudia Thiesen

Baumanagement

Caretta+Weidmann Baumanagement AG

Architektur

Adrian Streich Architekten AG

Landschaftsarchtitektur

Schmid Landschaftsarchitekten

Wohnungsspiegel

Wohnungstyp Fläche Anzahl
3.5-Zimmerwohnungen 79 - 82 m2 3 Stk.
4.5-Zimmerwohnungen 103 - 109 m2 3 Stk.
5.5-Zimmerwohnungen 110 - 140 m2 5 Stk.
6.5-Zimmerwohnungen 156 m2 1 Stk.
10-Zimmerwohnungen 253 m2 2 Stk.
Wohngemeinschaftscluster 330 m2 2 Stk.
Zumietbares Zimmer 11 m2 1 Stk.
Total 26 Wohnungen

Objektdaten

Adressen 8049 Zürich, Regensdorferstrasse 190 und 194
Grundstücksgrösse 4'060 m2 (2'019 m2 überbaubar)
Gebäudevolumen (SIA 416) 15'680 m3
Hauptnutzfläche (SIA 416) 15'680 m2
Fläche Wohnen 3'148 m2
Fläche Gewerbe 81 m2
Fläche Gemeinschaftsräume 125 m2
Beanspruchte Fläche / Person 34 m2
Anlagekosten 14 Mio CHF
Energiestandard Minergie-Eco (Eco nicht zertifiziert)