Die grösste Kraftwerk1-Siedlung Zwicky Süd steht im Zürcher Norden, in Dübendorf. Und zwar auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei Zwicky. Zwischen alten Fabrikgebäuden, Autobahn, Möbelhäusern und einem Bahnviadukt ist ein neues Quartier am Ufer der Glatt entstanden. Die Siedlung verbindet Wohnen, Arbeiten, Kultur und Dienstleistungen und hilft so der Agglomeration, Stadt zu werden. Zwicky Süd wurde mehrfach preisgekrönt.
In der Siedlung Zwicky Süd leben rund 350 Personen in 125 Wohnungen.
Die Lage ist idyllisch und «verzwickt» zugleich: Historische Industriebauten verströmen den Charme der Vergangenheit.
Nischen am renaturierten Chriesbach bieten Naherholung, sowie dem Biber und dem Eisvogel ein Zuhause. Daneben die verkehrsreichen Strassen, die Autobahnauffahrt sowie der Bahnviadukt: Sie bringen eine urbane Klangkulisse.
Die Spinnerei Zwicky fabrizierte hier Nähfaden und Webgarn, bis die Produktion ab 2001 ins Ausland ging.
Die Erbgemeinschaft Zwicky wünschte, dass ein Stadtteil nach dem Prinzip der gemischten Nutzung entstehen soll.
Inzwischen boomt die Region und die Agglomeration wird zur Glatttalstadt.
Für die Areal-Entwicklung zog die Zwicky-Erbgemeinschaft die Immobilienentwicklerin Senn und das Beratungsunternehmen Wüest & Partner bei. Rasch war klar: Das Areal verlangt nach starken Ideen, weshalb Kraftwerk1 angefragt wurde. Die Genossenschaft hatte bereits Erfahrung mit anspruchsvollen Lagen: Der Standort der ersten Kraftwerk1-Siedlung «Hardturm» in Zürich West war zu deren Gründungszeit keine besonders attraktive Lage.
2009 wurde dann ein Studienauftrag mit fünf Teams veranstaltet; das Architekturbüro Schneider Studer Primas gewann das Projekt. Die geplanten Gebäude wurde aufgeteilt: Neben der Kraftwerk1-Siedlung ging ein Teil an Pensimo, ein Unternehmen, das für grosse Pensionskassen das Immobiliengeschäft führt. Ein weiteres ging an Swisslife. Kraftwerk1 besitzt drei der insgesamt sechs Gebäude.
Das Zwicky-Areal ist hervorragend erschlossen: Die Glatttalbahn-Linie 12 führt in zwei Minuten ins Glattzentrum, in vier Minuten zum S-Bahnhof Stettbach, von wo man das Zentrum von Zürich in einer Viertelstunde erreicht. Fernreisende gelangen ohne umzusteigen an den Flughafen. Wer motorisiert unterwegs ist, ist in zwei Minuten auf der A1. Die Naherholungsräume Burenwald und Greifensee liegen in Velodistanz und die Ufer der Glatt werden bis 2031 mit dem Projekt «Fil bleu» aufgewertet. Auf den umliegenden Baufeldern entstanden weitere Wohnüberbauungen mit Grossverteiler, Läden, Ateliers, Cafés oder Büros.
Unterschiedliche Wohnungstypen sorgen für eine soziale und altersmässige Durchmischung. Erfahrungen aus den ersten beiden Kraftwerk1-Siedlungen flossen mit ein: Neu gibt es in den Grosswohnungen gleichzeitig Clustereinheiten mit unterschiedlichen Individualbereichen und dazu konventionelle Zimmer. Ein Schwerpunkt sind betreute Wohnformen, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Altried.
Bereits bei der Planung hat Kraftwerk1 zuerst Genossenschafter:innen und dann auch die künftigen Mieter:innen miteinbezogen. An Konferenzen erarbeiteten und konkretisierten sie Ideen zu Nutzungen, Wohnformen, Ökologie oder Ausbaustandards. Dabei wurden Erfahrungen aus früheren Projekten genutzt. Gebaut wurde ein neues städtisches Quartier in Rohform: Gebäude und Aussenraum wurden bewusst rau und roh gelassen, die Ausstattung minimal – damit die Bewohner:innen sich die Flächen aneignen und sie beleben können.
Schneider Studer Primas entwarfen drei Gebäudetypen: «Scheibe», «Block» und «Halle».
Die schmalen «Scheiben» mit Terrassen und Laubengängen umschliessen das Areal. Sie enthalten Zimmer, kleine Wohnungen, Ateliers und Familien-Maisonetten.
Im Innern stehen zwei kompakte «Blöcke» mit Gewerbe und Wohnungen.
Die «Hallen» sind grosse, offene Flächen für Produktion, Lager, Ausstellungen oder Verkauf, darüber gibt es Terrassen.
Die Kombination der drei Typen machts aus: Die «Scheiben» schützen vor Lärm, die «Blöcke» schaffen Dichte und die «Hallen» beleben das Erdgeschoss.
Gewerbeflächen anzubieten war grundlegender Teil des Projekts: Das Gewerbe sorgt für Nahversorgung, Kultur und öffentliches Leben – Angebote, die in Areal-Nähe grösstenteils fehlten.
Zudem kann Kraftwerk1 so auch in dieser Siedlung die Kombination von «Wohnen und Arbeiten» anbieten.
Dass eine Wohnbaugenossenschaft Gewerberäume baut, war lange nicht selbstverständlich.
Die Siedlung Zwicky Süd hat 2016 mehrere Preise erhalten.
Die Auszeichnungen «Gute Bauten des Kantons Zürich», der «Goldene Hase» von Hochparterre und die Auszeichnung «Umsicht-Regards-Sguardi 2017» durch den sia (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) loben den Mut zur Dichte, zur Urbanität, zum Machen und zur gelebten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit.
Bauliches
- Kraftwerk1 realisierte die Überbauung nach Minergie-Eco. Eco bedeutet, dass die Baumaterialien nachhaltig und ökologisch sind und die Umwelt minimal belasten.
- Brücken-Upcycling: Drei Brücken, die dem Umbau des Bahnhofs Hardbrücke dienten, erhielten im Zwicky ein zweites Leben. In einer Zeit, als das Stichwort ReUse noch weniger verbreitet war.
Technik
- Für den Energieverbrauch ist der Minergie-P-Standard massgebend. Die Gesamtenergiebilanz erfüllt die Zielwerte der 2000-Watt-Gesellschaft.
- Die Wärme wird als Fernwärme mittels Wärmepumpe aus gereinigtem Abwasser bezogen (kalte Fernwärme).
- Die Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert Strom für Haushalte und Gewerbe. Aktuelle Daten zur 1400 Quadratmeter grossen Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 215 kWp sind hier visualisiert: Dashboard PV-Anlage Zwicky Süd.
Mobilität
- Die Siedlung ist «autoarm», den Bewohner:innen stehen Mobility-Autos zur Verfügung und es gibt eine grosszügige, zentrale Veloplattform.
- Die Siedlung verfügt über E-Auto-Ladestationen.
Flächenverbrauch
- Der Flächenverbrauch pro Person beträgt 34 m2.
Aussenräume
- Die Siedlung verfügt über diverse lärmabgewandte Aussenräume mit Fassadenbegrünung.
- Eine Regenwasserzisterne speist die Bepflanzungen mit Giesswasser.
- Die Bewohner:innen tragen mit ihren Siedlungsprojekten (wie beispielsweise Gemüsehügel, Pergolen, Bienenhotel) zur Biodiversität und Begrünung bei.
Wohnungsspiegel
| Wohnungstyp | Fläche | Anzahl |
|---|---|---|
| 1-Zimmer-Studios | 29 - 38 m2 | 6 |
| 1-Zimmer-Lofts | 66 m2 | 5 |
| 2.5-Zimmerwohnungen | 48 - 61 m2 | 32 |
| 3.5-Zimmerwohnungen | 81 - 92 m2 | 33 |
| 4.5-Zimmerwohnungen | 99 - 126 m2 | 33 |
| 4.5-Zimmerwohnungen Plus | 175 m2 | 7 |
| 5.5-Zimmerwohnungen | 126 - 130 m2 | 9 |
| 6.5-Zimmerwohnungen | 152 - 160 m2 | 2 |
| 8.5-Zi Wohngemeinschaft | 230 m2 | 1 |
| 11.5-Zi Wohngemeinschaft | 364 m2 | 1 |
| 13.5-Zi Wohngemeinschaft | 430 m2 | 1 |
| 14.5-Zi Wohngemeinschaften | 436 m2 | 1 |
| Zumietbare Zimmer | 15 - 20 m2 | 7 |
| Innenliegende Bastelräume | 22 - 26 m2 | 7 |
| Total | Wohnungen | 125 |
Gesamtleitung
Kraftwerk1, Claudia Thiesen
Totalunternehmerin
Senn, St. Gallen
Architektur
Schneider Studer Primas, Zürich
Landschaftsarchitektur
Lorenz Eugster, Zürich
Objektdaten
| Adressen | 8600 Dübendorf: Am Wasser, 1, 3, 5 / 4, 9 / 10, 11 | |
|---|---|---|
| Grundstücksgrösse | 11'500 m2 | |
| Gebäudevolumen (SIA 416) | 72'500 m2 | |
| Hauptnutzfläche (SIA 416) | 16'885 m2 | |
| Fläche Wohnen | 12'750 m2 | |
| Fläche Gewerbe | 3'850 m2 | |
| Fläche Gemeinschaftsräume | 285 m2 | |
| Beanspruchte Fläche / Person | 34 m2 | |
| Anlagekosten | 77 Mio CHF | |
| Energiestandard | Minergie-Eco zertifiziert, 2000 Watt kompatibel |
Pläne
Zur Veranschaulichung zeigen wir eine Auswahl von Grundrissen.
1 Zimmer Wohnung, Am Wasser 10, Dübendorf
8 1/2 Zimmer Wohnung, Am Wasser 3, Dübendorf
4 1/2 Zimmer Wohnung, Am Wasser 5, Dübendorf